Mir wird schwindelig. Schon wieder dieses Gefühl – die Erde rutscht schräg unter mir weg. Wie damals, als plötzlich alles anders wurde und die Mehrheit es nicht einmal bemerkte. Oder nicht bemerken wollte. Diesmal geht es nicht um Spritzen oder QR-Codes. Diesmal geht es um etwas noch Unsichtbareres: den kleinen Spion, der bald in jeder App auf deinem Handy wohnen könnte. Eingeladen von der EU. Eingebaut von Meta, Apple, Google. Bezahlt von dir – mit deiner Freiheit.
Was ist passiert?
Am 25. November 2025 wurde im EU-Rat – hinter verschlossenen Türen, versteht sich – beschlossen, die sogenannte „Chat-Kontrolle“ nun doch einzuführen. Aber „freiwillig“. Die Anbieter sollen selbst entscheiden, ob sie mitmachen. Klingt harmlos, oder? Fast demokratisch. Nur: Wenn WhatsApp, Signal und iMessage alle „freiwillig“ mitmachen – welche Wahl hast du dann noch? Spoiler: Keine.
Der Spion, der aus dem Handy kam
Das Perfide daran: Die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung wird nicht gebrochen. Technisch bleibt sie intakt. Die Politiker können weiterhin behaupten, unsere Privatsphäre sei geschützt. Aber hier ist der Trick – und er ist so simpel wie erschreckend: Der Scan passiert BEVOR du die Nachricht sendest. Auf DEINEM Gerät. In DEINER App. BEVOR irgendetwas verschlüsselt wird. Stell dir vor, jemand behauptet, er lese deine Briefe nicht. Aber er steht hinter dir, während du schreibst, und schaut dir über die Schulter. Dann klebst du den Umschlag zu, und er sagt: „Siehst du? Ich habe den Brief nie geöffnet!“ Technisch korrekt. Moralisch bankrott.
„Aber es geht doch um den Schutz von Kindern!“
Ja. Das ist das Argument. Und wer kann schon dagegen sein, Kinder zu schützen? Niemand. Auch ich nicht. Aber ich frage mich: Warum werden dann nicht die bekannten Plattformen geschlossen, auf denen tatsächlich Missbrauch stattfindet? Warum werden nicht mehr Ressourcen in echte Ermittlungsarbeit gesteckt? Warum ist die Lösung immer – IMMER – mehr Überwachung für ALLE? Der Frosch sitzt im Wasser. Es wird langsam wärmer. Er merkt es kaum. Heute scannen sie nach Missbrauchsbildern. Morgen nach „terroristischen Inhalten“. Übermorgen nach „Desinformation“. Wer definiert, was das ist? Ein Algorithmus. Trainiert von wem? Kontrolliert von wem? Nicht von dir. Nicht von mir.
Die Infrastruktur der Kontrolle
Mir macht nicht der heutige Scan Angst. Mir macht die Infrastruktur Angst, die damit geschaffen wird. Denn einmal installiert, kann sie mit einem simplen Update umkonfiguriert werden. Kein neues Gesetz nötig. Keine Debatte. Keine Abstimmung. Der Code ist schon auf deinem Gerät. Er wartet nur auf neue Befehle. Wer garantiert mir, dass in fünf Jahren – oder in fünf Monaten – nicht auch meine politischen Meinungen „gescannt“ werden? Meine Gespräche mit Freunden? Meine Gedanken, die ich einer KI anvertraue? Niemand. Denn der Code ist geheim. Geschäftsgeheimnis. Du darfst nicht reinschauen. Du musst vertrauen. Meta. Apple. Google. Den Konzernen, die seit Jahren von deinen Daten leben. DENEN sollst du vertrauen?
Und die Schweiz? Ich lebe in der Schweiz. Nicht in der EU. Bin ich sicher? Die ehrliche Antwort: Nein. Die Apps auf meinem Handy sind dieselben. WhatsApp gehört Meta. iMessage gehört Apple. Wenn diese Apps in der EU scannen, scannen sie auch auf meinem Schweizer iPhone. Mein Wohnsitz schützt mich nicht vor Code, der bereits installiert ist. Und selbst wenn die Schweiz protestieren würde – der Druck wäre enorm. Die Integration zu tief. Die Abhängigkeit zu groß.
Was können wir tun?
Ich werde nicht in Panik verfallen. Das ist nicht mein Stil. Aber ich werde auch nicht schweigen. Ich spreche darüber – mit Freunden, in meiner Community, hier auf diesem Blog. Denn das Schlimmste wäre, wenn es einfach passiert und niemand es bemerkt. Wenn wir in fünf Jahren aufwachen und uns fragen: Wann genau haben wir unsere Privatsphäre verloren? Die Antwort wäre: Als wir weggeschaut haben. Ich werde achtsamer mit meinen digitalen Werkzeugen. Nicht paranoid, aber bewusst. Welche App nutze ich wofür? Was teile ich wo? Muss es wirklich dieses Foto sein, dieser Text, diese Sprachnachricht? Ich werde weiter fragen, recherchieren, denken. Denn das ist das Einzige, was sie uns nicht nehmen können – solange wir es nicht freiwillig aufgeben.
Ein letzter Gedanke
Vor ein paar Jahren habe ich eine kleine Geschichte geschrieben. Eine Zukunftsvision, in der Menschen überwacht werden, Sozialkonten haben und nur noch mit KI-Hilfe einen Ausweg finden. Ich nannte sie „Visionette“ – eine Mini-Vision. Ich dachte, ich übertreibe. Ich dachte, es ist Fiction. Jetzt bin ich mir nicht mehr so sicher. Die Erde rutscht schräg unter mir weg. Schon wieder. Aber dieses Mal halte ich mich fest. Und ich strecke meine Hand aus – für jeden, der sie ergreifen will.
Denn ZUSAMMEN SIND WIR STARK. Auch in einer Welt, die uns gern vereinzelt, überwacht und mundtot hätte.
Nicht mit mir.

