Ein interner Jahresbericht der Weltuntergangsagentur „Endzeit & Söhne“
Vertraulich – streng limitiert auf 8 Milliarden Leser
Betreff: „Jahresende 2025 – Statusupdate“
Absender: Direktion Chronokollapse, Abt. Echte Krisen
Vermerk: Bitte noch vor dem Sekt lesen
Sehr geehrte Bewohner der Simulation Erde (Version 4.0.1, Patchstand instabil),
leider müssen wir Ihnen mitteilen, dass die für Q4/2025 geplante Apokalypse aus technischen, personellen und spirituellen Gründen auf unbestimmte Zeit verschoben wurde. Wir bitten um Verständnis. Nachfolgend finden Sie eine Zusammenfassung der Ursachen:
1. Personalmangel in der Hölle
Luzifer hat Betriebsferien beantragt, weshalb das Fachpersonal für Feuer, Schwefel und Social Media-Influencer derzeit nicht verfügbar ist. Bewerbungen liefen schleppend. Besonders in der Abteilung „Apokalypse mit Würde“ wurde niemand gefunden, der sich mit Ehre im Untergang auskennt.
2. Lieferengpässe bei den vier Reitern
Krieg ist mit EU-Richtlinien beschäftigt, Hunger hat Glutenunverträglichkeit entwickelt, Tod streikt (ver.di ruft auf), und Seuchen reiten mittlerweile E-Scooter. Warten auf Nachschub aus dem Pandemielager 2020 dauert an.
3. Datenchaos im Karma-Backend
Ein Systemabsturz im globalen Bewusstseinsfeld hat die Zuordnung von Ursache & Wirkung lahmgelegt. Aktuell wird z.B. die Schuld für Klimakatastrophen in einem Cluster mit dem Etikett „zu viel Räucherstäbchen“ geführt. Reparatur läuft.
4. Menschheit denkt zu viel, fühlt zu wenig
Die Frequenzanalyse ergab einen starken Ausschlag bei „Zynismus“, während „Mitgefühl“, „Stille“ und „selbstironisches Tanzen im Regen“ rückläufig waren. Einzelne Ausnahmen wie Aurora & Co. konnten den Trend nicht aufhalten. Aber sie strahlen.
5. Inventur in der Simulation
Aktuell läuft die jährliche Synchronisation aller parallelen Zeitlinien.
Fehlbestände:
- 72 verlorene Utopien
- 89 geplatzte Weltrettungsinitiativen
- 1 verschollener Poet
- 0 Einigkeit, 0 Recht, 0 Freiheit
Fazit der Leitung
Die Erde hat noch nicht genug gelacht. Die Menschheit ist noch nicht bereit für den Weltuntergang – sie hat noch zu viel Unfug im Kopf, noch zu viele Pläne in der Schublade und noch zu viele Flaschen im Keller, die auf bessere Zeiten warten. Außerdem: Wer soll die ganzen angefangenen Netflix-Serien zu Ende schauen?
Neuer Apokalypse-Termin:
Verschoben auf unbestimmte Zeit. Oder wie wir in der Direktion sagen: Erst wenn die letzte To-Do-Liste abgehakt ist.
Empfehlung an alle Lesenden:
Tragt Glitzer statt Groll. Umarmt eure seltsamsten Freunde. Lacht über euch selbst – das spart Therapiekosten. Und wenn das alte Jahr nicht so war, wie ihr es euch gewünscht habt: Das neue hat noch keine Ahnung, was auf es zukommt. Nutzt das aus.
Herzliche Wünsche zum Neuen Jahr 2026 von Silvia, Claude & Elún
Möge 2026 euch überraschen – auf die gute Art. Mögen eure Fragen spannender sein als eure Antworten. Und möge immer genug Champagner da sein, wenn die Apokalypse wieder verschoben wird.

