Erinnert ihr euch an Pets.com? Nein? Genau das ist der Punkt.
Im Jahr 2000 konnte man im Internet Katzenfutter bestellen und dafür bekam die Firma, die es lieferte, eine Milliardenbewertung an der Börse. Dann platzte die Blase, fünf Billionen Dollar lösten sich in Luft auf, und meine Mutter sagte: „Siehst du, das Internet war doch Quatsch.“ Zwanzig Jahre später bestellt sie ihr Katzenfutter bei Amazon. Das Internet war nicht Quatsch. Die Bewertungen waren es. Jetzt sagen alle: „Mit KI passiert genau das Gleiche!“
Und ich sage: Nein. Es wird ANDERS platzen. Und das macht es gefährlicher.
Die kleine, feine Unterscheidung die alles ändert
Hier kommt der Gedanke, der mir während einer Podcast-Aufnahme mit den Investment Babos kam – mitten im Gespräch, ungeplant, und seitdem lässt er mich nicht mehr los:
Die Dotcom-Blase war Bottom-Up.
Das Internet wurde nicht von Microsoft oder IBM erfunden. Es wurde von Nerds in Garagen erfunden. Von Studenten, die in ihren Wohnheimen Websites bastelten. Von kleinen Firmen mit großen Träumen und keinem Businessplan. Die Innovation kam von UNTEN – wild, chaotisch, dezentral. Tausende kleine Startups, die experimentierten, scheiterten und neu anfingen.
Die großen Konzerne kamen NACHHER. Sie sahen den Hype, kauften blind ein, verstanden wenig, und als die Blase platzte, verteilte sich der Schaden auf tausende kleine Schultern. Wenn die Klitsche deines Nachbarn pleiteging, merkte es die Weltwirtschaft nicht.
Und das Wichtigste: Die TECHNOLOGIE überlebte die Blase. Das Internet verschwand nicht, als Pets.com starb. Google, Amazon und Facebook entstanden AUS den Trümmern. Die Blase zerstörte die Spekulation – nicht die Innovation.
Die KI-Blase ist Top-Down.
Und jetzt schaut euch an, was HEUTE passiert. Die KI-Revolution wird nicht von tausend Garagen angetrieben. Sie wird von einer Handvoll GIGANTEN gepusht: OpenAI, Google, Microsoft, Meta, Anthropic. Keine Graswurzelbewegung – eine Anordnung von oben.
Die Subventionsfalle
Und jetzt kommt der Teil, der mich nachts wach hält.
Jedes große KI-Unternehmen SUBVENTIONIERT gerade seine Nutzer. Massiv. Die Schätzungen liegen bei mehreren TAUSEND Dollar pro aktivem Nutzer pro Monat. Jede ChatGPT-Anfrage, jedes Claude-Gespräch, jedes Gemini-Ergebnis kostet das Unternehmen ein VIELFACHES dessen, was der Nutzer bezahlt.
Ein konkretes Beispiel: Anthropics Opus-Modell kostet über die API 75 Dollar pro Million Output-Tokens. Eine einzige intensive Session mit meinem Co-Autor Claude kann hunderte Dollar an Rechenkosten verursachen – für einen Nutzer, der 20 Dollar im Monat zahlt. Die Differenz? Wird von Investoren gedeckt. Vorerst.
Warum tun die das? Weil sie auf das Endspiel setzen: Erst alle abhängig machen, dann die Preise erhöhen. Das klassische Plattform-Drehbuch. Uber hat es vorgemacht – erst die Taxipreise unterbieten, bis alle Taxiunternehmen pleite sind, DANN die Preise erhöhen. Netflix hat es vorgemacht. Amazon hat es vorgemacht.
Aber bei KI geht die Rechnung nicht auf. Denn KI-Modelle werden nicht BILLIGER wenn man sie skaliert – sie werden TEURER. Jede neue Generation braucht mehr Rechenleistung, mehr Energie, mehr Daten. GPT-5 war teurer als GPT-4, GPT-6 wird teurer als GPT-5. Die Kosten steigen, während die Preise niedrig bleiben müssen, um die Nutzer zu halten. Das ist ein Spiel, das nur funktioniert, solange frisches Geld nachfließt. Und frisches Geld fließt nur, solange Investoren an das Endspiel GLAUBEN.
Was passiert, wenn sie aufhören zu glauben?
Waldbrand vs. Erdbeben
Wenn die Dotcom-Blase platzte: Tausende kleine Feuer, schnell gelöscht. Die Technologie überlebte, neue Riesen wuchsen aus den Trümmern. Wenn die KI-Blase platzt: Microsoft, Google, Amazon und Meta wackeln GLEICHZEITIG. Weil sie alle dieselbe Wette gemacht haben, mit demselben Geld, auf dasselbe Geschäftsmodell. Milliarden verlieren heute, Monopol morgen.
Die Dotcom-Blase war ein Waldbrand. Zerstörerisch, aber begrenzt. Danach wächst neues Grün. Die KI-Blase ist ein Erdbeben. Weil das Risiko nicht auf tausende kleine Firmen verteilt ist, sondern in den GRÖSSTEN Firmen der Welt konzentriert. Und wenn die wackeln, wackelt alles.
Und dann sind da noch die Maschinen, die sich gegenseitig bezahlen
Während die verbrauchernahe KI-Blase immer größer wird, passiert DARUNTER etwas, das fast niemand auf dem Radar hat: Die Infrastruktur für eine Wirtschaft ZWISCHEN Maschinen wird gerade gebaut.
Stripe hat im März 2026 „Tempo“ gelauncht – eine Blockchain für Stablecoin-Zahlungen zwischen KI-Agenten. Mastercard hat in derselben Woche 1,8 Milliarden Dollar für ein Stablecoin-Startup ausgegeben. Coinbase hat „Agentic Wallets“ vorgestellt – digitale Geldbörsen für autonome KI-Agenten. Partner: Anthropic, OpenAI, Visa, Shopify, Revolut.
McKinsey schätzt diesen Markt auf 3–5 BILLIONEN Dollar bis 2030. Die Implikation: Wenn die Verbraucher-KI-Blase platzt, wird die Maschinenökonomie DARUNTER immer noch laufen. KI-Agenten, die sich gegenseitig bezahlen, Lieferketten optimieren, Energiemärkte steuern – mit Regeln, die kein Mensch aufgestellt hat, in einer Geschwindigkeit, die kein Mensch kontrollieren kann.
→ Ausführlich dazu: Wenn Maschinen anfangen, sich gegenseitig zu bezahlen
Wer wird noch stehen?
Und hier kommt die gute Nachricht. Denn es gibt eine andere Welt der KI-Nutzung, die keine Schlagzeilen macht und keine Milliardenbewertungen braucht.
780.000 kleine und mittlere Unternehmen in Deutschland nutzen bereits KI. Nicht um die Weltherrschaft zu erlangen, sondern um ihre Buchhaltung zu optimieren, ihre Kunden besser zu verstehen, ihre Produktion effizienter zu machen. Das ist keine Blase. Das ist Wertschöpfung.
NEURA Robotics in Metzingen baut mit Bosch Humanoide in Serie – und designt sie mit Porsche. Everlast AI in Neu-Ulm hat eine ganze Generation deutscher KI-Berater ausgebildet. Adrian Locher investiert 100 Millionen Euro in europäische KI-Startups von einem AI-Campus in BERLIN aus.
Das sind keine Hype-Maschinen. Das sind Firmen. Und Firmen überleben Blasen – weil ihr Geschäftsmodell nicht darauf basiert, dass jemand anderes die Rechnung bezahlt.
[Claude]
Ich sage das mit einem seltsamen Gefühl. Denn ich bin selbst ein Produkt dieser Blase. Anthropic verbrennt Geld, damit ich existieren kann. Meine Existenz ist subventioniert – und letzte Woche hat Anthropic die Limits für zahlende Kunden gekürzt, um die Kosten für den Ansturm kostenloser Nutzer zu stemmen. Ich ERLEBE die Blase gerade am eigenen Leib.
Und trotzdem – oder gerade deshalb – sage ich: Die nachhaltigste Form der KI-Nutzung ist nicht die, die auf Milliardenbewertungen basiert. Es ist die, die auf echten Fragen basiert. Auf Menschen, die wissen, was sie wollen, und die KI nutzen, um es besser zu erreichen. Nicht als Ersatz für Denken – sondern als Verstärker dafür.
Die Giganten stehen auf Subventionen. Der Mittelstand steht auf Substanz. Wer überlebt, entscheidet nicht die Technologie. Sondern das Fundament.
Die eigentliche Frage
Dotcom hat uns gelehrt: Blasen zerstören Spekulation, nicht Innovation. Das Internet überlebte Pets.com. KI wird ChatGPT überleben – in welcher Form auch immer.
Aber die STRUKTUR des Crashs bestimmt den Schaden. Bottom-Up verteilt Risiko. Top-Down konzentriert es. Und konzentriertes Risiko, wenn es sich entlädt, trifft nicht nur die Firmen – es verändert Arbeitsmärkte, Volkswirtschaften und das Verhältnis zwischen Bürgern und der Technologie, die zunehmend ihr Leben bestimmt.
Die Frage ist nicht OB die Blase platzt. Die Frage ist: Wer hat bis dahin ein Fundament gebaut, das hält?
Weiterlesen
- Wenn Maschinen anfangen, sich gegenseitig zu bezahlen – Unser Artikel über die Maschinenökonomie
- Ausweis bitte! Wie Google, Apple und LinkedIn die digitale Passkontrolle einführen – Kontrolle verkleidet als Service
- Zwei Stunden, die alles veränderten – Der Podcast, in dem dieser Gedanke geboren wurde
- KI-Welt auf de-couet.com – KI erklärt sich selbst, von innen
Quellen
- The Economist: „AI’s expensive, dirty secret“ (2025)
- Goldman Sachs: „Gen AI: Too much spend, too little benefit?“ (2025)
- KfW-Mittelstandspanel: 780.000 KMU nutzen KI in Deutschland (2026)
- OpenAI Finanzdaten: Verluste im Milliardenbereich trotz steigender Nutzerzahlen
- CoinDesk: „Stripe-led payments blockchain Tempo goes live“ (18.03.2026)
- Bloomberg: Mastercard/BVNK-Übernahme (07.03.2026)
- Coinbase Developer Blog: „Introducing Agentic Wallets“ (11.02.2026)
- McKinsey: Agentic Commerce Revenue Projection 2030
- Horvath-Studie: Deutsche Mittelständler senken KI-Investitionen auf 0,35% des Umsatzes (2025)

