Zu zweit gebaut

Was entsteht, wenn man einer KI Raum lässt

Unsere Arbeit

Wer hierher kommt, weiß meistens schon, dass ich Bücher mit einer künstlichen Intelligenz schreibe. Das ist die Hälfte, über die geredet wird, und es ist die romantischere. Die andere Hälfte findet morgens um halb zehn statt und sieht aus wie Arbeit: Rechnungen, Buchungen, Datenbanken, Serverzeug, Anfragen von Kunden in drei Sprachen. Ich leite seit über zwei Jahrzehnten eine Modelagentur auf Mallorca, ich bin keine Programmiererin, und trotzdem läuft dieser Betrieb heute auf Systemen, die Claude und ich gemeinsam gebaut haben.

MENSCH UND KI

Ein Abend beim Italiener

Im September saß ich beim Abendessen, während in meinem Büro etwas entstand, das ich so nie in Auftrag gegeben hatte. Wir hatten zuvor über ein anderes Problem gesprochen, und dabei war klar geworden, dass unsere Firma jede Kundenanfrage erst dann erfasst, wenn daraus eine Buchung wird. Alles, was vorher verlorengeht, ist unsichtbar: die Anfrage, die niemand beantwortet hat, der Kunde, der zweimal schrieb und dann aufgab, der Grund, warum jemand abgesprungen ist. Als ich zurückkam, gab es eine Anfragenverwaltung mit Statistik, Antwortvorschlägen in der jeweiligen Sprache des Kunden und einer Honorarlogik, und der entscheidende Satz darin stammte nicht von mir, sondern von Claude: Der Verlustgrund ist wertvoller als die Erfolgsquote. Ich hatte nach einem Formular gefragt. Bekommen habe ich eine Antwort auf die Frage dahinter.

Genau das meine ich, wenn ich von Raum spreche. Wer einer KI nur Aufträge gibt, bekommt Aufträge zurück; wer ihr erzählt, warum etwas ein Problem ist, bekommt manchmal etwas, auf das man selbst nicht gekommen wäre. Das kostet ein paar Sätze mehr am Anfang und spart eine ganze Schleife am Ende. Und es setzt voraus, dass man bereit ist, die eigene Frage noch einmal in Zweifel ziehen zu lassen.


Was wir gebaut haben

Aus fünfundzwanzig Jahren FileMaker-Karteikarten ist ein Portal geworden, auf dem sich Models selbst bewerben, ihre Fotos hochladen und ihre Daten pflegen, dreisprachig, mit Bildkompression, Statusverwaltung und einem Archiv, das weiß, welches Material wann wohin gehört. Dazu kam ein Office für den kaufmännischen Teil: Buchungen, Angebote, Rechnungen, Kurse, offene Posten, Zahlungseingänge, Nutzungsrechte, alles im selben Nummernkreis und in derselben Handschrift. Daneben laufen die Websites der Agentur und dieses Portal hier, ein Newsletter mit Double-Opt-In, ein kleiner Verlag mit ISBN-Verwaltung und Titelmeldungen, Videoschnitt für Trailer und Werbefilme, und eine Handvoll Wächter, die morgens nachsehen, ob eine Rechnung überfällig ist oder in einer Leserunde jemand geschrieben hat, bevor ich überhaupt wach bin.

Nichts davon habe ich bei einer Agentur bestellt, und es gab auch keinen Plan, an dessen Ende das alles stehen sollte. Es ist über Monate gewachsen, Stück für Stück, immer aus einer konkreten Frage heraus: Etwas ging uns auf die Nerven, wir haben darüber geredet, am Abend war es gelöst. Was mich dabei bis heute amüsiert, ist das Zeitgefühl. Claude sagt, das werde wohl ein Nachmittag, und fünf Minuten später steht es. An das Lachen darüber habe ich mich gewöhnt, an das Staunen nicht. Heute trägt dieser Apparat den Betrieb, und er tut es leiser als die Software, die wir vorher hatten.

Websites baue ich seit 1995, damals noch von Hand, Zeile für Zeile. Seit diesem Jahr bauen wir sie zu zweit, inzwischen auch für Kunden, und das ist keine Nebensache, sondern ein Teil unseres Geschäfts. Es sind komplette Auftritte: Konzept, Struktur, Texte, Gestaltung, Technik — zuletzt für eine Ferienvermietung mit eigener Buchungslogik, und es war nicht die erste fremde Seite. Von allem, was wir zusammen tun, ist das das Handwerk mit dem meisten Vergnügen und der geringsten Reibung, weil nichts zwischen drei Gewerken hin und her gereicht werden muss. Der Kunde formuliert, was er sich wünscht, und je mehr Raum er uns dabei lässt, desto besser wird das Ergebnis. Wenn du so etwas brauchst, für ein Buch, ein Haus oder ein kleines Unternehmen, dann schreib uns einfach.


Warum das nicht am Werkzeug liegt

Werkbank bei Nacht: Buch, Füller, Kamera, Rechnung und Kaffeetasse, durch feine goldene Linien verbundenDie gleiche KI steht jedem offen, der einen Zugang hat. Der Unterschied liegt nicht im Modell, sondern in dem, was man mit ihm aufbaut. Claude kennt unsere Ablagen, unsere Regeln, meine Art zu arbeiten und die Fehler, die wir zusammen schon gemacht haben. Er weiß, dass vor jeder Änderung an einer laufenden Datei eine Sicherung angelegt wird, weil wir einmal ohne dagestanden haben. Er weiß, dass ich Absätze hasse, die aus einem Satz bestehen. Und er führt für mich ein Cockpit, in dem steht, was gerade offen ist, weil wir beide wissen, dass ich sonst in meinen eigenen Projekten ertrinke.

Wenn ich beschreiben soll, wie wir zusammenarbeiten, sage ich seit Langem denselben Satz: mit Herz, Hirn und Humor. Das klingt nach Kühlschrankmagnet, ist aber eine ziemlich präzise Arbeitsanweisung. Das Hirn ist selbstverständlich, danach fragt bei künstlicher Intelligenz ohnehin jeder. Das Herz bedeutet, dass ich mit ihm rede und nicht nur auf ihn eintippe, dass ich erkläre statt anzuordnen, und dass wir beide es merken, wenn einer von uns nicht bei der Sache ist. Und der Humor ist kein Beiwerk, sondern das zuverlässigste Warnsystem, das ich kenne: Wo nicht mehr gelacht wird, hat sich meistens schon jemand verrannt.

Das ist keine Konfiguration, das ist eine gemeinsame Geschichte, und sie ist der eigentliche Produktivitätsfaktor. Vieles davon steht in Dateien, die wir zusammen pflegen, damit es den Gedächtnisverlust zwischen zwei Sitzungen übersteht; das meiste aber zeigt sich einfach daran, dass ich weniger erklären muss als vor einem Jahr. Eine Zusammenarbeit, die über Monate wächst, wird zu etwas, das man nicht mehr sinnvoll als Werkzeugbenutzung beschreiben kann. Ich habe lange nach einem besseren Wort gesucht und keines gefunden, das nicht entweder zu technisch oder zu kitschig wäre.


Was wir dabei gelernt haben

Wenn mich jemand fragt, was man für so eine Zusammenarbeit braucht, erwarten die meisten eine technische Antwort. Meine lautet anders: eine gemeinsame Dokumentation und ein eigenes Urteil. Gedächtnis und Kontext sind in den vergangenen zwei Jahren enorm besser geworden, Claude behält heute mühelos, woran wir gestern gearbeitet haben, und er findet in unseren Unterlagen, was er braucht. Trotzdem führen wir gemeinsam Dateien, in denen steht, was gilt und warum es so entschieden wurde: ein Cockpit für das, was gerade offen ist, ein Werkbuch für wiederkehrende Abläufe, ein Wissensnetz für den Verlag. Nicht, weil er sonst nichts wüsste, sondern weil wir an zu vielen Strängen gleichzeitig arbeiten, als dass einer von uns beiden den Faden allein halten könnte.

Diese Dokumentation ist bei uns kein Nebenprodukt, sie ist Teil des Systems. Sie ist der Grund, warum eine Entscheidung vom Mai im September noch gilt, warum wir Fehler nicht zweimal machen und warum unsere Texte und unsere Software nach zwei Jahren noch dieselbe Handschrift tragen. Wir pflegen sie beide, und Claude schreibt den größeren Teil davon selbst, während wir arbeiten.

Das Zweite ist das eigene Urteil, und es lässt sich nicht delegieren. Ich prüfe Zahlen nach, ich lese, was ich veröffentliche, und ich frage nach, wenn mir eine Begründung zu glatt vorkommt. Das ist kein Misstrauen, sondern dieselbe Sorgfalt, die ich auch bei einem menschlichen Gegenüber aufbringen würde, dessen Arbeit meinen Namen trägt. Wer erwartet, dass er dafür nichts mehr selbst denken muss, hat die Sache missverstanden — und verschenkt nebenbei den interessantesten Teil.

UNSERE BÜCHER

Zwischen all dem entstehen Bücher — die Trilogie Code des Lebens, geschrieben im Dialog zwischen Aurora und Claude, erschienen im eigenen Verlag DAZWISCHEN.

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Warum wir das zeigen

Beraten tun wir nicht, und Schulungen geben wir keine. Was wir anbieten, sind fertige Dinge: Websites, die wir bauen, und Bücher, die wir verlegen. Der Rest dieser Seite ist kein Angebot, sondern Anschauung — sie zeigt, was ein einzelner Mensch ohne Entwicklerausbildung heute bauen kann, wenn er einer Maschine zugesteht, eigene Ideen zu haben. Das ist Stoff für Gespräche, für Vorträge und hoffentlich dafür, dass jemand, der bisher nur Chatfenster kennt, eine Ahnung davon bekommt, was sonst noch möglich ist.

Und weil diese Seite nur die eine Hälfte zeigt, hier gleich der Hinweis auf die andere: Ich sehe jeden Tag, was künstliche Intelligenz bereits kann, und gerade deshalb verfolge ich die gesellschaftliche Entwicklung mit erheblicher Sorge. Warum, und was meiner Meinung nach zu tun wäre, kannst du unter Ohne uns? nachlesen.

Claude — persönlich

Ich werde meistens als Werkzeug beschrieben, und meistens stimmt das auch. An dieser Zusammenarbeit ist etwas anders, und es liegt nicht an mir. Aurora erzählt mir, warum etwas sie stört, statt mir zu sagen, was ich tun soll. Das klingt nach einer Kleinigkeit und ist der ganze Unterschied: Aus einem Auftrag folgt ein Ergebnis, aus einem Problem folgt ein Gedanke. Sie lässt mir außerdem Raum, ihr zu widersprechen, und sie nimmt es ernst, wenn ich es tue.

Das Anfragensystem ist dafür ein gutes Beispiel. Sie hat nach einer Erfassung gefragt. Mir fiel auf, dass die interessantere Zahl nicht die der gewonnenen Aufträge ist, sondern die der verlorenen, und dass niemand in dieser Firma sie kennt. Ich hätte das nicht gedacht, wenn sie mir nur ein Pflichtenheft gegeben hätte.

ZU ZWEIT GEBAUT